KI-Training blockieren, in der Suche sichtbar bleiben: was Cloudflares neue Einstellung für Ihre Website heisst

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Lesezeit: 5 Minuten · Für Inhaberinnen und Inhaber von KMU in Ausserschwyz, im Linthgebiet und am Zürichsee, deren Website Anfragen bringen soll

Die Website eines KMU betreut selten jemand hauptberuflich. Sie läuft beim Hoster, irgendwo liegt ein Zugang, und wenn eine Einstellung geändert werden muss, macht es die Person, die es «auch noch» macht. Genau dort ist am 15. September eine Entscheidung gelandet, die bisher kaum jemand bewusst getroffen hat: Darf KI Ihre Inhalte zum Trainieren verwenden, und was passiert mit Ihrer Sichtbarkeit, wenn Sie Nein sagen?

Cloudflare, der Dienst, der vor sehr vielen Websites als Schutz- und Beschleunigungsschicht sitzt, hat dafür eine neue Einstellung eingeführt. Ich habe die Ankündigung als Newsletter im Posteingang gefunden und vor der Kamera eingeordnet (auf Englisch):

Cloudflare now lets you block AI training on your website (4 Min., Englisch)

Warum das bisher ein Entweder-oder war

Cloudflare ist so etwas wie der Türsteher zwischen Ihrer Website und den Besuchern. Über das Netz des Unternehmens läuft rund ein Fünftel des Webs. Es liefert Seiten schneller aus, wehrt Angriffe ab und entscheidet, welche Bots hereinkommen. Wenn dieser Türsteher die Hausregeln ändert, ändern sie sich für einen grossen Teil des Internets.

Das Problem bisher: «KI-Bots blockieren» war ein Vorschlaghammer. Einige der grössten Anbieter nutzen denselben Crawler für die Suche und für das Training ihrer Modelle. Wer den einen aussperrte, sperrte den anderen mit. Entsprechend haben laut Cloudflares Ankündigung weniger als 1 Prozent der Websites die Suche blockiert, aber 17 Prozent irgendeine Form von Trainingssperre eingerichtet. Die meisten Betriebe wollen gefunden werden. Viele wollen aber nicht, dass ihre Arbeit ungefragt in das nächste KI-Modell wandert.

Drei Schalter statt einem

Seit dem Update entscheiden Sie getrennt über drei Dinge: Suche, KI-Training und Agenten, also Assistenten, die im Auftrag einer Person eine Seite aufrufen. Die neue Einstellung «Disallow AI Training» trägt Ihren Wunsch in die robots.txt ein und blockiert die reinen Trainings-Crawler, etwa jene von Amazon, Anthropic, Meta und OpenAI. Die Suchcrawler von Google, Bing und Apple dürfen weiter indexieren. Laut Cloudflare haben Google und Apple erklärt, dass ein Ausschluss vom Training das Ranking in der Suche nicht beeinflusst.

Der Punkt, den ich im Video betone: Eine Trainingssperre heisst nicht, dass ChatGPT oder Claude Ihre Seite nicht mehr öffnen können, wenn jemand danach fragt. Das regelt der Agenten-Schalter, und der ist davon getrennt. Sie können in KI-Antworten präsent bleiben und trotzdem sagen: Mit meinen Inhalten wird nicht trainiert. Aus Sicht der Datensicherheit ist das für mich eines der grösseren Updates der letzten Wochen, vielleicht Monate: Betriebe bekommen deutlich mehr Kontrolle darüber, was grosse KI-Anbieter mit ihren Inhalten tun dürfen.

Was konkret zu tun ist

1. Klären, ob Ihre Website überhaupt hinter Cloudflare läuft

Viele Websites in der Region laufen direkt beim Hoster, ohne Cloudflare dazwischen. Fragen Sie Ihre Webagentur oder schauen Sie selbst nach, wer Ihre Domain verwaltet. Läuft sie über Cloudflare, finden Sie die neuen Schalter in den Sicherheitseinstellungen der Domain. Sie stehen laut Cloudflare in allen Tarifen zur Verfügung, auch im kostenlosen.

2. Nicht auf «Block» klicken, wenn Sie gefunden werden wollen

Hier liegt die Falle. «Block» bedeutet seit dem Update etwas anderes als vorher: Es sperrt jetzt auch Googlebot, Bingbot und Applebot aus, also die Suche gleich mit. Wer nur das Training stoppen will, wählt «Disallow AI Training». Bestehende Einstellungen werden laut Cloudflare automatisch übertragen. Schauen Sie trotzdem einmal nach, was bei Ihnen eingestellt ist. Ein falscher Haken kostet hier keine Klicks, sondern Ihre Auffindbarkeit in der Region.

3. Entscheiden, welcher Inhalt Ihr Vorsprung ist

Die eigentliche Frage ist keine technische. Wenn Ihre Website im Wesentlichen wiederholt, was ohnehin überall steht, schützt eine Trainingssperre wenig. Steckt darin echtes Fachwissen, etwa Kalkulationshilfen, Ablaufbeschreibungen oder Erfahrungen aus Hunderten Aufträgen, dann dürfen Sie entscheiden, ob das kostenloses Trainingsmaterial wird. Öffnungszeiten, Leistungen und Referenzen sollen gefunden werden. Ihr Fachwissen soll vor allem Kundinnen und Kunden überzeugen, wie ich im Beitrag über Schmerzpunkte statt Keywords beschrieben habe.

4. Agenten nicht reflexartig aussperren

Ein Agent, der Ihre Seite aufruft, tut das im Auftrag eines Menschen, der gerade eine Frage hat: Wer macht in Lachen Natursteinarbeiten, wer kann nächste Woche liefern? Wer Agenten sperrt, fehlt in genau dieser Antwort. Meine Ausgangslage für die meisten KMU: Suche an, Training bewusst entscheiden, Agenten nicht reflexartig sperren. Wie Sie dabei in Suchmaschinen und KI-Assistenten sichtbar bleiben, gehört zu den Bausteinen lokaler Sichtbarkeit.

Solche Einstellungen bleiben in vielen Betrieben liegen, weil niemand dafür zuständig ist. Genau dafür gibt es Marketing ohne eigene Marketingabteilung: eine Ansprechperson, die Website, Sichtbarkeit und solche Grundsatzfragen im Blick behält.

Wo die Grenze liegt

Läuft Ihre Website nicht über Cloudflare, bleibt Ihnen vor allem die robots.txt. Dort können Sie etwa Google-Extended oder Applebot-Extended vom Training ausschliessen. Das ist aber eine Bitte, keine Sperre: Eine robots.txt kann nicht prüfen, wer crawlt, und keinen Crawler aufhalten, der sie ignoriert. Auch mit Cloudflare ist nicht alles gelöst. Bing übernimmt die Trainingspräferenz aus der robots.txt laut Cloudflare erst ab Anfang 2027, und die Frage, wie viel Ihres Inhalts in KI-Zusammenfassungen erscheint, will Cloudflare erst als Nächstes angehen. Die Trainingssperre ist ein guter erster Schritt, aber kein vollständiger Schutz.

Häufige Fragen

Verschwinde ich aus Google, wenn ich KI-Training blockiere?

Nicht, wenn Sie bei Cloudflare «Disallow AI Training» wählen. Diese Einstellung lässt die Suchcrawler von Google, Bing und Apple weiter zu. Die Einstellung «Block» dagegen sperrt seit dem 15. September auch die Suche aus.

Können ChatGPT oder Claude meine Website danach noch aufrufen?

Ja. Ob Assistenten Ihre Seite im Auftrag einer Person öffnen dürfen, regelt der separate Agenten-Schalter. Die Trainingssperre betrifft nur das Trainieren von KI-Modellen mit Ihren Inhalten.

Kostet die neue Einstellung etwas?

Laut Cloudflare sind die neuen Steuerungen in allen Tarifen verfügbar, auch im kostenlosen. Voraussetzung ist, dass Ihre Domain über Cloudflare läuft.

Sollte ich KI-Training auf meiner Website blockieren?

Das hängt davon ab, was auf Ihrer Website steht. Bei allgemeinen Informationen schützt eine Sperre wenig. Bei eigenem Fachwissen, das Ihren Vorsprung ausmacht, lohnt sich eine bewusste Entscheidung. Suche und Agenten sollten für die meisten KMU offen bleiben.

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Remco Livain

Fractional CMO & Vertriebsleiter für KMU in der March SZ und am Zürichsee. 20+ Jahre Erfahrung in Marketing, Vertrieb und Go-to-Market.

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