Gefälschte Bewertungen sind jetzt ein Risiko – so machen Sie es richtig

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Lesezeit: 6 Minuten · Für Inhaberinnen und Inhaber von KMU in der Region March, am Obersee und rund um den Zürichsee

Erfundene Testimonials auf der Website – gut geschrieben, on message, mit freundlichen Fantasie-Kundinnen samt Wohnort und Alter. Lange galt das als harmlose Marketing-Deko: Platzhalter, die «später» durch echte Stimmen ersetzt werden. Heute ist es ein handfestes rechtliches Risiko. Und das Überraschende: Wer die Erfindungen durch echte Bewertungen und ein ehrlicheres Sternerating ersetzt, verkauft in der Praxis sogar besser.

Ich habe diesen Wechsel bei einer Konsumgüter-Marke selbst begleitet – dazu unten mehr. Zuerst zum Teil, der viele KMU überrascht: die Rechtslage.

Was sich rechtlich geändert hat

In den USA hat die Wettbewerbsbehörde FTC im August 2024 eine Regel in Kraft gesetzt, die gefälschte Bewertungen und Testimonials ausdrücklich verbietet – inklusive KI-generierter Stimmen und nicht deklarierter Aussagen von Mitarbeitenden. Die Bussen: bis rund 51’000 US-Dollar pro Verstoss, und ein Verstoss kann pro Tag gezählt werden. Auch die EU verlangt seit Jahren, dass Bewertungen echt und überprüfbar sind.

In der Schweiz braucht es dafür kein neues Gesetz: Das Bundesgesetz gegen den unlauteren Wettbewerb (UWG) untersagt ganz allgemein unlautere und irreführende Angaben über das eigene Angebot – und eine erfundene Kundin ist genau das. Dazu kommt der Plattform-Hebel: Google löscht gekaufte oder gefälschte Bewertungen und kann Profile sperren. Für einen Betrieb, der von lokaler Sichtbarkeit lebt, ist das oft der teurere Schaden.

Die freundliche erfundene Kundin auf Ihrer Startseite ist keine Marketing-Note. Sie ist genau das, wofür Regulatoren heute Bussen aussprechen.

Der Conversion-Effekt: ehrlich verkauft besser

Der eigentliche Grund aufzuräumen ist aber nicht die Angst, sondern der Umsatz. Untersuchungen des Spiegel Research Center der Northwestern University zeigen: Die Kaufwahrscheinlichkeit ist am höchsten bei rund 4,2 bis 4,5 Sternen – und fällt wieder ab, je näher das Rating an die perfekten 5,0 rückt. Ein makelloses Rating wirkt verdächtig; gemischte Bewertungen wirken echt. Viele Konsumentinnen und Konsumenten suchen gezielt die kritischen Stimmen, um zu prüfen, ob die guten glaubwürdig sind.

Dazu kommt: Rund neun von zehn Konsumenten lesen Bewertungen, bevor sie kaufen oder buchen. Wer dort mit aufgeblasenen 5,0 Sternen und drei anonymen Lobeshymnen antritt, verliert genau die kritischen, kaufbereiten Leserinnen und Leser, die er gewinnen wollte.

Ein Praxisbeispiel – und was es für die Region heisst

Bei der erwähnten Konsumgüter-Marke standen drei erfundene Testimonials auf der Produktseite: eine Frau mit Wohnort, ein Mann mit Alter, ein Paar mit kleiner Geschichte. Kein böser Wille – Platzhaltertexte, die still zur Dauerlösung geworden waren. Wir haben alle drei entfernt, echte Bewertungen mit Klarnamen von einem grossen Marktplatz übernommen, das geschönte Sternerating durch den ehrlichen Wert ersetzt und die Anzahl der Bewertungen der Realität angepasst. Das Ergebnis: Die Seite mit dem tieferen, ehrlichen Rating konvertierte besser als die geschönte Version.

Übertragen auf die Region: Eine Physiotherapie in Tuggen mit ehrlichen 4,6 Sternen aus vierzig echten Google-Bewertungen wirkt glaubwürdiger – und füllt den Terminkalender zuverlässiger – als eine Praxis mit fünf makellosen, namenlosen Textbausteinen auf der Website. Gerade in der March, wo man sich kennt, fliegt eine erfundene «zufriedene Patientin aus Lachen» schneller auf, als vielen lieb ist. Wie wir Betriebe in Tuggen und Umgebung unterstützen, zeigt die Standortseite.

So ersetzen Sie Erfindungen durch echte Stimmen

  • Inventar machen: Welche Zitate, Sterne und Zahlen auf Ihrer Website können Sie belegen? Alles andere fliegt raus.
  • Echte Bewertungen übernehmen: in echter Kundensprache und, wo möglich, mit Klarnamen – etwa aus Ihrem Google-Profil oder von verifizierten Plattformen.
  • Das Rating ehrlich lassen – auch wenn es dadurch sinkt.
  • Systematisch sammeln statt erfinden: mit einem festen Ablauf nach jedem Auftrag oder Termin.

Den Ablauf dafür beschreibt der 7-Schritte-Plan für mehr Google-Bewertungen im Detail; die Grundlage – ein gepflegtes Profil – liefert der Leitfaden zum Google Business Profile für KMU. Und echte Kundenstimmen mit Namen und Firma dürfen Sie selbstverständlich prominent zeigen – so, wie wir es mit unseren Referenzen halten.

Und wenn Sie noch gar keine Bewertungen haben?

Dann ist die Versuchung am grössten – und der ehrliche Platzhalter am wertvollsten. Schreiben Sie transparent: «Wir sammeln zurzeit unsere ersten Google-Bewertungen – die ersten Stimmen finden Sie in Kürze hier.» Und zeigen Sie bis dahin gar kein Sternerating. Das ist keine Schwäche, sondern ein Vertrauenssignal: Eine ehrlich benannte Lücke schlägt jede erfundene Geschichte.

Häufige Fragen

Sind erfundene Bewertungen in der Schweiz wirklich verboten?

Das UWG untersagt unlautere und irreführende Geschäftspraktiken – erfundene Kundenstimmen fallen in diese Kategorie. Wie gross das juristische Risiko im Einzelfall ist, klärt eine Anwältin. Das geschäftliche Risiko ist so oder so real: Plattform-Sperrungen und der Vertrauensverlust in einer überschaubaren Region wie der March oder am Obersee wiegen schwerer als jede Busse.

Mein Rating sinkt, wenn ich ehrlich werde – schadet mir das nicht?

In der Regel nein. Die Kaufwahrscheinlichkeit ist bei rund 4,2 bis 4,5 Sternen am höchsten. Ein ehrliches 4,4 mit einzelnen kritischen Stimmen verkauft besser als ein perfektes 5,0, das niemand glaubt.

Was mache ich mit einer negativen Bewertung?

Antworten – sachlich, in drei, vier Sätzen: danken, bedauern, eine Lösung anbieten, das Gespräch ins Private verlagern. Eine kritische Bewertung mit professioneller Antwort gewinnt das Vertrauen aller späteren Leser zurück; unbeantwortet stehen gelassen schadet sie doppelt.

Unsicher, ob Ihre Bewertungen und Testimonials sauber sind?

Machen Sie den Selbstcheck oder buchen Sie ein kostenloses 30-Minuten-Erstgespräch – wir schauen Ihre Startseite und Ihre Bewertungen gemeinsam an.


Remco Livain

Fractional CMO & Vertriebsleiter für KMU in der March SZ und am Zürichsee. 20+ Jahre Erfahrung in Marketing, Vertrieb und Go-to-Market.

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