Lesezeit: 5 Minuten · Für Inhaberinnen und Inhaber von KMU in Ausserschwyz, im Linthgebiet und am Zürichsee, die KI im Alltag nutzen, ohne eigene Marketingabteilung
Am Montagmorgen soll der Wochenbericht fertig sein, die Präsentation für den Kunden am Mittwoch und die Zusammenfassung der offenen Anfragen sowieso. In den meisten KMU erledigt das niemand hauptberuflich. Es macht die Inhaberin am Abend oder der Verkaufsleiter zwischen zwei Terminen, und seit einiger Zeit oft mit KI. Wer dafür Claude nutzt, stand bisher vor jeder Aufgabe vor einer kleinen Frage: Mache ich das im Chat oder in Cowork?
Diese Frage gibt es nicht mehr. Anthropic hat Chat und Cowork zu einer einzigen Unterhaltung zusammengelegt. Ich habe die Ankündigung im Video kommentiert, mit Ausschnitten aus Anthropics eigener Präsentation (auf Englisch):
Was sich geändert hat
Bisher war der Chat der Ort für Fragen und Antworten. Die eigentliche Arbeit lief in Cowork: Aufgaben mit mehreren Schritten, Dateien, verbundene Programme und Abläufe, die weiterlaufen, auch wenn der Laptop zu ist. Laut Anthropics Ankündigung vom 16. September steckt dieser Motor jetzt unter jeder Unterhaltung. Claude entscheidet selbst, ob eine Aufgabe eine kurze Antwort, ein Dokument oder einen längeren Arbeitsauftrag braucht.
Ich halte das für einen guten Schritt. Der Chat konnte nicht alles, Claude Code war für die meisten zu technisch, und Cowork war die Brücke dazwischen. Wer nicht täglich mit diesen Werkzeugen arbeitet, wusste nie genau, wo eine Aufgabe hingehört. Für einen kleinen Betrieb, in dem KI nebenbei genutzt wird, ist genau diese Unsicherheit der Grund, warum vieles beim einfachen Chatten bleibt.
Drei Änderungen, die im Alltag zählen
1. Keine Weiche mehr vor jeder Aufgabe
Sie öffnen Claude und schreiben, was Sie brauchen. Bestehende Chats, Projekte, Verbindungen und Skills bleiben laut Anthropic erhalten. Wer bisher nur Fragen gestellt hat, muss nichts anders machen.
2. Ergebnisse statt Text
Das ist für mich die grösste Änderung. Bisher bekamen Sie eine Textantwort oder eine Word- oder PowerPoint-Datei auf Ihren Rechner. Die mussten Sie dort bearbeiten, speichern und Claude wieder mitteilen, was sich geändert hat. Jetzt entstehen Claude Docs und Claude Slides direkt in der Unterhaltung. Sie bearbeiten sie gemeinsam mit Claude, teilen sie per Link und laden sie bei Bedarf als PowerPoint oder PDF herunter. Zum Start sind Docs und Slides eine Beta-Funktion in den bezahlten Tarifen. Das erleichtert die Zusammenarbeit im Team genauso wie die Arbeit allein an den eigenen Projekten.
3. Ihr Rechner ist eine Fähigkeit, kein Ort
Lokale Ordner, der eingebaute Browser und die Bedienung Ihres Computers sind weiterhin da. Sie sind aber kein separater Raum mehr, den man betreten muss. In der Desktop-App kann jede Unterhaltung darauf zugreifen, wenn die Aufgabe es verlangt und Sie es erlauben.
Der eine Vorbehalt: lokale Aufgaben brauchen Ihren Rechner
Hier wird es für kleine Teams wichtig. Die Arbeit läuft in der Cloud, Ihr Rechner nicht. Aufgaben in der Cloud laufen weiter, wenn Sie den Laptop zuklappen. Aufgaben, die Dateien oder Programme auf Ihrem Computer brauchen, laufen laut Anthropics Hilfecenter nur, solange Claude Desktop geöffnet ist. Ich nehme meine Videos auf einem Mac mini auf: Schalte ich ihn ab, steht jede Aufgabe still, die auf seine Dateien angewiesen ist.
Im Betrieb heisst das: Liest Ihr Montagsbericht eine Excel-Liste vom Bürorechner, und der ist übers Wochenende aus, liegt am Montag nichts bereit. Ein Claude gilt für die Oberfläche, nicht dafür, wo die Arbeit physisch läuft.
Was konkret zu tun ist
1. Eine wiederkehrende Aufgabe auswählen
Nicht zehn Ideen, sondern eine: der Montagsbericht, die Zusammenfassung des Posteingangs oder die Präsentation für einen Kunden. Beschreiben Sie einmal sauber, wie das Ergebnis aussehen soll, und lassen Sie es in derselben Unterhaltung entstehen. Wie viel solche Abläufe entlasten, habe ich im Beitrag über KI im Back-Office beschrieben.
2. Prüfen, wo die Daten dafür liegen
Liegt die Quelle auf einem lokalen Rechner, braucht die Aufgabe diesen Rechner. Liegt sie in einem verbundenen Dienst wie Google Drive oder Microsoft 365, kann sie in der Cloud laufen. Das ist auch die Gelegenheit, Kundendaten sauber einzuordnen. Die Checkliste zu KI und Kundendaten hilft bei der Frage, was nach Schweizer Datenschutz in ein KI-Werkzeug darf.
3. Freigaben beibehalten
Standardmässig fragt Claude nach, bevor es etwas ausführt. Lassen Sie das so, solange etwas an Kundschaft oder Lieferanten geht. Ein Werkzeug macht einen unklaren Ablauf nicht besser, nur schneller. Wenn heute niemand die Anfrage vom letzten Monat nachfasst, braucht es zuerst eine saubere Lead- und Kundenpflege, dann die Automatisierung.
Warum das gerade jetzt passiert
Meta hat Anfang September in den USA Muse lanciert, einen Agenten, der E-Mails versendet, Zahlungen ausführt und im Hintergrund weiterarbeitet. Ich sehe darin Druck auf alle Anbieter. Aus meiner Sicht bewegen sich Anthropic, Google und auch X mit Grok auf einen zentralen Ort zu, an dem man eine Frage stellt oder eine ganze Aufgabe übergibt. Für ein KMU ist das eine gute Nachricht: weniger Werkzeuge, die man lernen muss.
Wo die Grenze liegt
Die Umstellung kommt zuerst in den Tarifen Pro und Max, verteilt über mehrere Wochen. Team- und Gratis-Tarife folgen später. Zeigt Ihr Eingabefeld noch Chat und Cowork getrennt an, ist das normal. Und das Werkzeug nimmt Ihnen eine Entscheidung nicht ab: was überhaupt bearbeitet werden soll und wer das Ergebnis prüft. Wer dafür im Betrieb keine Zeit hat, braucht keine weitere Software, sondern jemanden, der es übernimmt. Genau dafür gibt es Marketing ohne eigene Marketingabteilung, und mit meinen KI-Angeboten für Marketing und Vertrieb lernt Ihr Team, die Werkzeuge selbst sinnvoll einzusetzen.
Häufige Fragen
Was ist mit Claude Cowork passiert?
Cowork ist in der normalen Claude-Unterhaltung aufgegangen. Alles, was Cowork konnte, ist aus jeder Unterhaltung heraus verfügbar. Bestehende Aufgaben, Projekte, Verbindungen und Skills bleiben erhalten.
Muss ich etwas einschalten?
Nein. Die Umstellung kommt automatisch, zuerst in den Tarifen Pro und Max. Wenn Ihr Eingabefeld noch Chat und Cowork getrennt zeigt, haben Sie die neue Version einfach noch nicht erhalten.
Läuft eine Aufgabe weiter, wenn ich den Laptop zuklappe?
Ja, wenn sie in der Cloud läuft. Braucht sie Dateien oder Programme auf Ihrem Computer, muss Claude Desktop geöffnet bleiben, sonst wird sie nicht weiter bearbeitet.
Lohnt sich das für einen kleinen Betrieb ohne Marketingabteilung?
Ja, gerade dort. Wer wiederkehrende Aufgaben wie Wochenberichte, Posteingangs-Zusammenfassungen oder Kundenpräsentationen hat, kann sie jetzt in einer Unterhaltung beauftragen und das fertige Dokument direkt weiterbearbeiten. Wichtig ist, mit einer einzigen Aufgabe zu beginnen.
Welche Aufgabe in Ihrem Betrieb sollte KI als Erstes übernehmen?
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