Der neue Microsoft Copilot im KMU: Was Home, Code und Autopilot für Ihren Betrieb bedeuten

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Lesezeit: 6 Minuten · Für Inhaberinnen und Inhaber von KMU in Ausserschwyz, im Linthgebiet und am Zürichsee, deren Betrieb auf Microsoft 365 läuft

Die Offerte liegt in Word, die Preisliste in Excel, die Kundenanfrage in Outlook, und die Abstimmung mit dem Team läuft über Teams. In vielen Betrieben in der Region ist Microsoft 365 längst das Rückgrat. Genau dort setzt Microsoft jetzt an: Der neue Copilot soll nicht mehr nur Fragen beantworten, sondern Arbeit erledigen, auch dann, wenn niemand am Rechner sitzt.

Ich habe mir die Ankündigung und das Launch-Video angeschaut und vor der Kamera kommentiert (auf Englisch):

Was Microsoft angekündigt hat

Am 25. September hat Microsoft den neuen Copilot mit drei Bereichen vorgestellt. Home ist der neue Startpunkt: Chat und Cowork an einem Ort, dazu Word, Excel und PowerPoint direkt im Copilot. Code lässt auch Personen ohne Programmierkenntnisse kleine Anwendungen, Dashboards und Abläufe bauen, indem sie beschreiben, was sie brauchen. Autopilot ist ein Agent mit eigener Identität und eigenem Gedächtnis, der wiederkehrende Aufgaben selbständig erledigt. Ansprechen lässt er sich per @-Erwähnung in Teams oder Outlook.

Wer Claude oder ChatGPT kennt, erkennt vieles wieder. Das ist kein Zufall: Microsoft hat schon im Frühling angekündigt, die Technologie hinter Claude Cowork in Microsoft 365 zu bringen. Der Vorteil für Sie: Die Lernkurve wird kurz, und die Werkzeuge laufen dort, wo Ihre Daten ohnehin schon liegen.

Warum das für KMU relevant ist

In den meisten KMU macht Marketing und Vertrieb niemand richtig, es machen alle nebenbei. Die Inhaberin schreibt am Abend Offerten, am Empfang kümmert sich jemand zusätzlich um Social Media, und die Anfrage vom letzten Monat fasst niemand nach. Genau solche wiederkehrenden Aufgaben soll Autopilot übernehmen. Microsofts eigenes Beispiel ist bezeichnend: nicht ein Werbetext, sondern die regelmässige Lieferantenbewertung.

Gleichzeitig zeigt eine Zahl, wie weit der Weg noch ist. Laut CNBC haben weniger als 7 Prozent der über 450 Millionen geschäftlichen Office-365-Arbeitsplätze eine Copilot-Lizenz. Die Werkzeuge sind da, der Einsatz im Alltag fehlt. Und der entscheidet sich nicht in Redmond, sondern in Ihrem Betrieb.

Was konkret zu tun ist

1. Nicht sofort umstellen, aber vorbereiten

Home und Code kommen zuerst ins Frontier-Programm von Microsoft, Autopilot geht Ende Monat in eine geschlossene Vorschau. Für die meisten KMU heisst das: Sie haben einige Wochen bis Monate Zeit. Nutzen Sie sie, um Ordnung zu schaffen, statt auf den Knopf zu warten.

2. Ablage und Berechtigungen aufräumen

Ein Agent ist nur so gut wie die Daten, auf die er zugreift. Wenn Offerten in drei Versionen auf drei Laufwerken liegen und jeder alles sehen darf, findet auch Copilot die falsche Preisliste. Klären Sie, wo die gültigen Dokumente liegen und wer worauf Zugriff hat. Das lohnt sich ohnehin, mit oder ohne KI.

3. Einen wiederkehrenden Ablauf auswählen

Starten Sie nicht mit zehn Ideen, sondern mit einem Ablauf, der heute regelmässig liegen bleibt: das Nachfassen offener Offerten, der monatliche Bericht, die Lieferantenbewertung. Beschreiben Sie ihn einmal sauber, mit Auslöser, Schritten und Freigabe. Ein Agent macht einen chaotischen Prozess nicht besser, nur schneller. Deshalb kommt zuerst eine saubere Lead- und Kundenpflege, dann die Automatisierung.

4. Festlegen, wer Werkzeuge bauen darf

Mit Code kann jede Person im Betrieb eigene kleine Anwendungen bauen. Das ist stark, bis fünf Leute fünf Kundenlisten mit fünf verschiedenen Zahlen pflegen. Bestimmen Sie eine verantwortliche Person, die entscheidet, was gebaut wird, auf welchen Daten und wer es später pflegt. Warum es dafür eher einen KI-Architekten als viele Prompt-Tüftler braucht, habe ich im Beitrag über KI-Architekten statt Prompt-Ingenieure beschrieben.

5. Die Kosten begrenzen, bevor sie entstehen

Neu rechnet Microsoft die agentischen Teile, also Cowork, Code und Autopilot, nach Nutzung ab statt pauschal pro Lizenz. Microsoft liefert dafür auch Werkzeuge, um Ausgaben zu steuern und Limiten pro Benutzergruppe zu setzen. Setzen Sie diese von Anfang an. Ein Agent, der jede Nacht arbeitet, arbeitet auch jede Nacht auf Ihre Rechnung.

Wo die Grenze liegt

Wenn Ihr Betrieb auf Google Workspace oder bereits auf Claude läuft, gibt es keinen Grund, wegen dieser Ankündigung umzusteigen. Ich arbeite selbst so, und ein Wechsel wäre für mich ein grosser Schritt. Der neue Copilot spielt seine Stärke dort aus, wo Microsoft 365 schon das Rückgrat ist. Und für Betriebe mit Gesundheits- oder Finanzdaten, etwa Praxen oder Treuhandbüros, gilt wie bei jedem Agenten: zuerst klären, wo die Daten verarbeitet werden, dann testen. Was dabei zu beachten ist, lesen Sie im Beitrag über KI-Agenten, Zugang und Vertrauen.

Ich habe den neuen Copilot noch nicht selbst getestet. Aber Microsoft bringt selten etwas halbfertig auf den Markt, und kein Anbieter sitzt so tief in den Abläufen von Betrieben wie Microsoft. Wer die Einführung sauber plant, kann Administration abgeben und gewinnt Zeit für das, was ein KMU ausmacht: die Kundschaft. Wie das im Backoffice konkret aussieht, zeigt der Beitrag über KI als Hebel im Backoffice. Und wenn im Betrieb heute niemand Marketing und Vertrieb führt, lohnt sich ein Blick auf Marketing ohne Marketingabteilung, gerade für Betriebe rund um Lachen, Pfäffikon und das Linthgebiet.

Häufige Fragen

Was ist neu am Microsoft Copilot?

Copilot ist neu in drei Bereiche gegliedert: Home (Chat und Cowork mit Word, Excel und PowerPoint direkt im Copilot), Code (eigene Anwendungen und Abläufe per Beschreibung bauen) und Autopilot (ein Agent, der wiederkehrende Aufgaben selbständig erledigt).

Ab wann kann ein KMU den neuen Copilot nutzen?

Home und Code starten in den kommenden Wochen im Frontier-Programm von Microsoft, Autopilot Ende September 2026 in einer geschlossenen Vorschau. Eine breitere Verfügbarkeit folgt schrittweise.

Was kostet Autopilot?

Die agentischen Teile, also Cowork, Code und Autopilot, rechnet Microsoft nach Nutzung ab, nicht pauschal pro Lizenz. Konkrete Preise für Schweizer KMU sind noch nicht publiziert. Setzen Sie deshalb von Anfang an Kostenlimiten.

Muss ich von Claude oder Google Workspace zu Microsoft wechseln?

Nein. Der neue Copilot lohnt sich vor allem dort, wo Microsoft 365 bereits das Rückgrat des Betriebs ist. Wer auf Google Workspace oder Claude arbeitet, hat mit dieser Ankündigung keinen Grund zum Wechsel.

Welche Aufgabe bleibt in Ihrem Betrieb heute liegen?

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Remco Livain

Fractional CMO & Vertriebsleiter für KMU in der March SZ und am Zürichsee. 20+ Jahre Erfahrung in Marketing, Vertrieb und Go-to-Market.

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